← Alle Beiträge
Ratgeber

Brennservice abrechnen: Für Externe brennen, ohne Zettelwirtschaft

Wie du einen Brennservice für Gäste sauber aufsetzt: Externenpreis, Zahlung bei Annahme oder Abholung, Risiko und Ablauf. Mit Preisspannen aus der Praxis.

Eine Kiste mit unglasierten Keramikstücken auf einem Tresen, daneben eine Waage und ein Klemmbrett mit leerem Zettel, dahinter ein geschlossener Brennofen

Ein Brennservice ist für viele Studios die einfachste Einnahme, die der Ofen hergibt. Jemand bringt fertig getöpferte Stücke vorbei, du legst sie in den nächsten Brand, und am Ende steht ein Betrag, der ohne Kurs, ohne Mitgliedschaft und ohne zusätzliche Arbeitsstunde hereinkommt. Auf dem Papier ist das ein gutes Geschäft. In der Praxis hängt es an Kleinigkeiten, ob du den Brennservice sauber abrechnen kannst: eine Kiste im Regal mit einem Klebezettel, ein mündlich vereinbarter Preis, eine Kundin, die nach vier Wochen fragt, ob ihre Schalen fertig sind.

Dieser Leitfaden geht den Brennservice einmal von vorn bis hinten durch: welche Entscheidungen du vorher triffst, welche Preise in der Praxis üblich sind, und wie ein Ablauf aussieht, bei dem am Monatsende nichts mehr offen ist.

Warum Externe anders sind als Mitglieder

Bei Mitgliedern hast du einen Rahmen. Der Monatsbeitrag deckt einen Teil der Ofenkosten, du kennst die Person, und die Brennkosten landen auf einer Abrechnung, die ohnehin jeden Monat rausgeht. Beim Brennservice fehlt all das:

  • Keine Mitgliedschaft. Kein Beitrag trägt die Grundkosten des Ofens mit. Der Brennpreis muss die Kosten allein decken.
  • Kein Konto, keine Historie. Oft kommt jemand einmal im Jahr. Du brauchst Name, Kontakt und die Stücke, mehr nicht, aber das zuverlässig.
  • Einmalige Zahlung. Es gibt keine Monatsabrechnung, in die der Betrag rutschen kann. Bezahlt wird bei Annahme oder bei Abholung, und beides musst du festhalten.
  • Unbekannte Ware. Du weißt nicht, welcher Ton verwendet wurde, ob das Stück trocken ist oder ob eine Luftblase im Boden sitzt. Das Risiko für den Brand und für die Nachbarstücke liegt bei dir.

Aus diesen vier Unterschieden folgen die Entscheidungen, die ein Brennservice vorab braucht.

Entscheidung 1: die Preisbasis

Die meisten Studios rechnen den Brennservice nach Gewicht ab, pro Brand und pro Brennart. Das ist derselbe Mechanismus wie bei Mitgliedern, nur mit einem eigenen Satz. Wenn du dein Grundmodell noch nicht festgelegt hast, hilft der Leitfaden zu Brennkosten mit den sechs gängigen Modellen.

Für den Brennservice bewähren sich drei Ergänzungen besonders:

  • Ein Mindestpreis pro Stück. Ein einzelner Anhänger wiegt 60 Gramm und kostet dich trotzdem Annahme, Einräumen, Ausräumen und Rückgabe. In der Praxis liegen Mindestpreise zwischen etwa 1,50 und 16 Euro, je nachdem, wie viel Handling das Studio einpreist.
  • Aufrunden auf das angefangene Kilo. Vereinfacht die Rechnung an der Theke und gleicht die Platzfrage bei leichten Stücken ein wenig aus.
  • Ofenmiete als Alternative. Wer regelmäßig größere Mengen bringt, etwa eine Schule oder eine Künstlerin vor der Ausstellung, bekommt den ganzen Ofen zu einem Festpreis. Üblich sind rund 50 bis 190 Euro pro Brand, je nach Ofengröße und Temperatur.

Entscheidung 2: der Externenpreis

Externe zahlen fast überall mehr als Mitglieder, und das ist kein Aufschlag aus Prinzip. Ohne Monatsbeitrag trägt der Brennpreis die Amortisation des Ofens allein, dazu kommen mehr Handling pro Stück und das höhere Risiko unbekannter Ware.

In der Praxis liegt der Externensatz häufig beim Anderthalbfachen des Mitgliedersatzes. Ein Studio mit 9 Euro pro Kilo für Mitglieder nimmt von Externen etwa 15 Euro. Gestaffelte Studios führen die Staffel auch für Externe weiter, etwa 10 Euro pro Kilo für den Schrühbrand bis 18 Euro für den hohen Glasurbrand. Wer zusätzlich glasiert, also einen Glasurservice anbietet, rechnet dafür einen eigenen Satz, in der Praxis um die 18 Euro pro Kilo.

Wichtig ist weniger die exakte Höhe als die Trennung: ein eigener Satz für Externe, sichtbar auf der Preisliste, damit an der Theke niemand verhandeln muss.

Entscheidung 3: wann bezahlt wird

Drei Varianten sind verbreitet, und jede hat einen klaren Fall:

  • Vorkasse bei Annahme. Du wiegst beim Abgeben, nennst den Preis, kassierst. Der sauberste Weg für Laufkundschaft, weil danach nichts mehr offen ist. Voraussetzung: Du kannst den Preis bei Annahme schon nennen.
  • Zahlung bei Abholung. Üblich, wenn erst nach dem Brand klar ist, was es geworden ist, oder wenn Bruch verrechnet werden soll. Der Haken: Wer nicht abholt, zahlt auch nicht.
  • Monatliche Rechnung. Für Stammkundschaft, die regelmäßig bringt. Funktioniert nur, wenn du jede Abgabe zuverlässig notierst.

Die Empfehlung aus der Praxis: Preis bei Annahme nennen und festhalten, Zahlung bei Annahme oder Abholung, aber nie „irgendwann später”.

Entscheidung 4: das Risiko

Ein Stück, das im Ofen platzt, beschädigt die Nachbarn und manchmal die Platte. Bei Mitgliedern kennst du den Ton und die Arbeitsweise, bei Externen nicht. Deshalb regeln erfahrene Studios das vorher:

  • Nur bekannte Tone. Viele Studios brennen nur Ton, dessen Brenntemperatur belegt ist, oder verlangen die Angabe von Hersteller und Brennbereich.
  • Pfand für Risikostücke. Ein rückzahlbarer Betrag, in der Praxis etwa 15 Euro, für sehr dickwandige oder große Arbeiten.
  • Schadenspauschalen. Feste Sätze für Schäden an Platte oder Ofen, damit im Fall der Fälle nicht diskutiert wird. Die Spanne reicht in der Praxis von rund 20 Euro für eine Platte bis in den dreistelligen Bereich für Ofenschäden.
  • Keine Garantie auf das Ergebnis. Glasurfehler, Risse und Verzug sind Eigenschaften des Stücks, nicht des Brands. Das gehört in einem Satz auf die Preisliste.

Nichts davon muss streng klingen. Es reicht, wenn es einmal aufgeschrieben ist und bei der Annahme gezeigt wird.

Brennservice abrechnen: der Ablauf in fünf Schritten

Mit den vier Entscheidungen steht das Modell. Jetzt geht es um den Alltag, und dort entscheidet sich, ob der Brennservice Geld bringt oder Nerven kostet.

  1. Annahme. Name, Kontakt, Anzahl der Stücke, gewünschte Brennart. Wiegen, Preis nennen, festhalten. Idealerweise mit einem Foto der Stücke, damit später klar ist, was abgegeben wurde.
  2. Warten auf den nächsten Brand. Die Stücke stehen im Regal, der Auftrag ist markiert. Hier verschwinden in vielen Studios die Zettel.
  3. Laden. Der Auftrag geht in einen konkreten Brand. Ab jetzt weißt du, wann die Stücke fertig sind.
  4. Brennen und Fertigmeldung. Nach dem Brand bekommt die Kundin eine Nachricht. Wer nicht Bescheid bekommt, ruft an, und zwar genau dann, wenn du am Ofen stehst.
  5. Abholung und Zahlung. Stücke rausgeben, Betrag kassieren oder als bezahlt markieren, Auftrag schließen.

An jedem dieser Schritte kann etwas verloren gehen: die Kiste ohne Namen, der Preis, den beide anders erinnern, der Auftrag, der zwei Brände lang übersehen wird, die Kundin, die nie abholt. Der Ablauf muss deshalb an jedem Schritt eine Spur hinterlassen, auf Papier, in einer Tabelle oder in einem Werkzeug.

Ein Rechenbeispiel

Eine Kundin bringt drei Schalen mit zusammen 2,3 Kilo für den Glasurbrand. Dein Externensatz liegt bei 15 Euro pro Kilo, du rundest auf das angefangene Kilo auf und hast einen Mindestpreis von 3 Euro pro Stück.

  • 2,3 Kilo werden zu 3 Kilo, bei 15 Euro pro Kilo sind das 45 Euro.
  • Der Mindestpreis greift nicht, weil 45 Euro deutlich über drei mal 3 Euro liegen.
  • Beim nächsten Besuch bringt sie einen einzelnen Anhänger mit 60 Gramm. Rechnerisch wären das 0,90 Euro, der Mindestpreis macht daraus 3 Euro.

Beide Beträge kannst du bei der Annahme nennen. Genau das ist der Unterschied zu einer Abrechnung, die erst nach dem Brand im Kopf entsteht.

Wenn du deine eigenen Sätze durchspielen willst: der Brennkosten-Rechner zeigt Kosten je Brand, je Kilo und je Stück in drei Schritten.

Regeln, die sich bewährt haben

  • Preisliste für Externe getrennt aushängen. Ein eigener Abschnitt mit Sätzen, Mindestpreis, Zahlungszeitpunkt und Abholfrist.
  • Abholfrist setzen. Vier bis acht Wochen sind üblich. Danach darf das Studio die Stücke entsorgen oder eine Lagergebühr nehmen. Klingt hart, spart Regalmeter.
  • Bei Annahme wiegen, nicht nach dem Brand. Das Gewicht ändert sich durch den Brand kaum, der Preis ist aber sofort klar.
  • Auftrag und Brand verknüpfen. Jede Kiste gehört zu einem Auftrag, jeder Auftrag zu einem Brand. Wer das durchhält, sucht nie wieder eine Kiste.
  • Glasurservice als eigene Position. Wenn du glasierst, ist das Arbeitszeit und Material, nicht Brand. Getrennt ausweisen.

Was das Werkzeug können muss

Ein Brennservice lässt sich mit einem Ordner und einer Waage betreiben. Ab einer gewissen Menge lohnt sich aber ein Werkzeug, und die Anforderungen sind überschaubar: Gäste ohne Konto anlegen und beim nächsten Mal wiederfinden, Stücke bei Annahme wiegen und den Preis für die gewählte Brennart sofort sehen, den Auftrag in einen konkreten Brand laden, nach dem Brand benachrichtigen, Abholung und Zahlung festhalten. Und der Preis muss nach dem Brand fix sein, damit niemand nachträglich rechnet.

Genau so ist der Brennservice in WheelOwl gebaut: externe Sätze je Brennart, getrennt von den Mitgliedertarifen, eine Kostenschätzung direkt bei der Annahme, Aufträge, die getrennt von Mitgliedern und offener Werkstatt laufen, und ein Preis, der nach dem Brand nicht mehr angefasst wird. Wie das im Alltag aussieht, steht auf der Seite zum Brennservice.

Wer für Externe brennt, verdient damit Geld, das der Ofen ohnehin hergibt. Die einzige Bedingung ist, dass an keinem der fünf Schritte etwas verloren geht.