Brennkosten berechnen: Wie Keramikstudios ihre Preise wirklich kalkulieren
Pro Kilo, pro Stück oder pauschal? Ein Leitfaden durch die gängigen Preismodelle für Brennkosten, mit echten Preisspannen und einem Rechenbeispiel.
Kaum eine Zahl im Studioalltag ist so heikel wie der Brennpreis. Sie muss die Kosten decken, fair wirken und sich am Monatsende noch nachvollziehen lassen. Und sie hängt an einem Ofen, der Strom frisst, Platz hat und irgendwann ersetzt werden will.
Die gute Nachricht vorweg: Es gibt kein einziges richtiges Modell. Wir haben uns angeschaut, wie deutsche Studios ihre Brennkosten tatsächlich abrechnen, und dabei eine ganze Bandbreite gefunden, von dead-simple bis hochkomplex. Dieser Leitfaden sortiert die Modelle, nennt echte Preisspannen und rechnet ein Beispiel durch, damit du dein eigenes Modell mit ruhiger Hand wählen kannst.
Was überhaupt in die Brennkosten einfließt
Bevor es um Modelle geht, lohnt der Blick auf die Kostenseite. In einen Brennpreis fließen im Kern vier Dinge:
- Energie. Ein Brand zieht je nach Temperatur und Dauer ordentlich Strom. Der Glasurbrand bei 1200 bis 1250 °C kostet deutlich mehr als der Schrühbrand bei 900 bis 950 °C.
- Ofenauslastung. Ein halb voller Ofen kostet fast dasselbe wie ein voller. Wer nach Gewicht abrechnet, verrechnet indirekt auch den Platz im Ofen.
- Amortisation. Der Ofen selbst, die Regale, die Stützen. Alles nutzt sich ab und muss über die Jahre wieder eingespielt werden.
- Arbeitszeit. Einräumen, Programm wählen, ausräumen, sortieren. Diese Zeit steckt selten sichtbar im Preis, gehört aber dazu.
Gewicht oder Platz? Die eine große Frage
Fast alle Studios wiegen. Gewicht ist die praktischste Messgröße: eine Waage neben dem Ofen, eine Zahl, fertig. Der Haken ist bekannt: Eine große, dünnwandige Schale wiegt wenig, braucht aber viel Platz im Ofen. Eine kleine, dickwandige Arbeit ist schwer und passt in jede Lücke.
Deshalb ergänzen manche Studios die Gewichtsabrechnung um Ausnahmen: einen Mindestpreis pro Stück, einen Festpreis für Teller (die kaum wiegen, aber ein ganzes Regal belegen) oder in Einzelfällen eine Abrechnung nach Größe statt Gewicht. Für die allermeisten Stücke bleibt Gewicht aber die faire und nachvollziehbare Basis.
Die sechs gängigen Preismodelle
In der Praxis lassen sich die Studios auf sechs Modelle verdichten, von einfach nach komplex:
1. Alles inklusive. Ein Monatsbeitrag oder Stundenpaket, Material und Brände sind enthalten, es wird nichts gewogen. Verbreitet bei kursorientierten Studios. Übliche Spanne für Mitgliedschaften mit inkludiertem Brand: rund 58 bis 230 € im Monat.
2. Pauschalpreis pro Gewicht. Ein einziger Preis pro Kilo deckt Ton, Glasuren und beide Brände ab. Gewogen wird einmal, meist nach dem Schrühbrand. Das Studio trägt das Risiko für Glasur und Platz. In der Praxis liegt so ein Rundum-Preis bei etwa 30 € pro Kilo.
3. Einfacher Kilopreis. Ein fester Preis pro Kilo, unabhängig von der Brennart, abgerechnet pro Brand. Ein Stück, das durch Schrüh- und Glasurbrand geht, wird also zweimal berechnet. Typisch sind rund 9 bis 10 € pro Kilo für Mitglieder.
4. Kilopreis nach Temperatur gestaffelt. Das häufigste Modell. Der Preis richtet sich nach der Brenntemperatur, meist in zwei bis drei Stufen. Grobe Spannen aus der Praxis:
- Schrühbrand (900 bis 950 °C): etwa 3 bis 12 € pro Kilo
- Glasurbrand niedrig (1040 bis 1150 °C): etwa 4 bis 14 € pro Kilo
- Glasurbrand hoch (1200 bis 1250 °C): etwa 6 bis 18 € pro Kilo
5. Kilopreis plus getrennte Materialkosten. Brand und Material werden separat geführt, zum Beispiel 9 € pro Kilo Brand plus 5 € pro Kilo Material. Das macht die Rechnung transparent, aber auch aufwändiger.
6. Kilopreis mit intern/extern, Mindestpreis und Ausnahmen. Die volle Komplexität. Mitglieder zahlen einen niedrigeren Satz, externe Kundinnen und Kunden einen höheren (etwa 15 € pro Kilo). Dazu kommen Mindestpreise, Aufrundung und Sonderfälle. Genau hier verliert die Excel-Tabelle den Überblick.
Die zehn Stellschrauben
Über dem gewählten Grundmodell liegen Regeln, die den Preis feinjustieren. Diese zehn tauchen in der Praxis immer wieder auf:
- Mindestpreis pro Stück. Der Preis ist das Maximum aus Gewicht mal Satz und einem Mindestbetrag, damit kein Stück unter den Handling-Kosten liegt.
- Aufrunden pro angefangenem Kilo. 0,6 kg werden zu 1 kg.
- Kategorie-Ausnahmen. Festpreis für bestimmte Stückarten, etwa Teller.
- Abrechnung nach Größe. Große, leichte Stücke nach Volumen statt Gewicht.
- Mitglieder- vs. Nichtmitgliederpreis. Unterschiedliche Sätze je Tarif.
- Freimenge Ton. Ein monatliches Kontingent inklusive, darüber wird berechnet.
- Ofenmiete. Ein Pauschalpreis für den ganzen Ofen, unabhängig vom Gewicht.
- Express-Zuschlag. Bevorzugtes Brennen gegen Aufpreis.
- Pfand für Risikostücke. Ein rückzahlbarer Betrag als Absicherung.
- Schadenspauschale. Feste Sätze für Schäden an Ofen oder Regal.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir eine Schale mit 0,6 kg in einem gestaffelten Modell mit Aufrundung und einem Mindestpreis von 2 €:
- Schrühbrand: 0,6 kg werden auf 1 kg aufgerundet, bei 4 € pro Kilo sind das 4 €.
- Glasurbrand hoch: wieder 1 kg, bei 8 € pro Kilo sind das 8 €.
- Summe: 12 € für die fertige Schale.
Der Mindestpreis greift hier nicht, weil beide Brände darüber liegen. Bei einem sehr leichten Stück, etwa einem 0,1-kg-Anhänger, würde stattdessen der Mindestpreis gelten.
Schrüh und Glasur: pro Brand oder pro Stück?
Ein Detail, das gern für Verwirrung sorgt: Manche Studios rechnen pro Brennvorgang ab (ein Stück durch zwei Brände wird zweimal berechnet), andere einmal über den gesamten Lebensweg eines Stücks. Beides ist legitim. Wichtig ist nur, dass die Regel klar kommuniziert wird, damit am Ende niemand nachrechnen muss, warum die Tasse doppelt auftaucht.
Wie du dein Modell wählst
Wenn du bei null anfängst, hilft die 80/20-Faustregel aus der Praxis: Die meisten Studios fahren gut mit einem nach Temperatur gestaffelten Kilopreis, ergänzt um einen Mindestpreis und einen Mitgliederrabatt. Das deckt den Großteil aller Fälle sauber ab.
Fang einfach an. Nimm ein Grundmodell, das zu deinem Studio passt, und schalte Regeln nur dort dazu, wo die Realität es verlangt. Jede zusätzliche Sonderregel kostet dich am Monatsende Zeit beim Abrechnen.
Das eigentlich Schwierige ist nicht das Modell
Die meisten Studios wissen ziemlich genau, wie sie abrechnen wollen. Das Problem ist nicht die Formel, sondern der Alltag: der Zettel neben der Waage, der bis zum Monatsende verschwindet. Die Preisliste, die nur die Inhaberin entziffern kann. Die Excel-Tabelle, in der niemand mehr weiß, wer was mit welchem Satz gebrannt hat.
Genau dafür bauen wir WheelOwl. Du legst dein Preismodell einmal an, egal wie verschachtelt, und erfasst jedes Stück in Sekunden neben dem Ofen. Die Abrechnung läuft dann von selbst, mit einem nachvollziehbaren Nachweis pro Brand.
Wenn du die Zettel neben der Waage loswerden willst, kannst du deine Brennkosten-Abrechnung in WheelOwl abbilden.
Trag dich auf die Warteliste ein und sei bei den ersten Studios dabei.