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Ratgeber

Keramik bemalen: So kalkulierst du die Preise im Malstudio

Rohling, Farbe, Brand, Tischzeit, Bruch und leere Plätze: So kalkulierst du Preise fürs Keramik bemalen, mit Rechenbeispiel für Becher, Schale und Teller.

Ein Tisch mit einem weißen Rohling-Becher, einem Pinsel in einem kleinen Farbnäpfchen, einem leeren Preisschild und einem Stapel aus Teller, Schale und Becher

Im Malstudio sieht der Preis aus wie eine Zahl am Regal, ein Betrag unter jedem Becher und jeder Schale. Dahinter stehen der Rohling, Farbe und Transparentglasur, ein Glasurbrand, der Platz am Tisch, deine Zeit beim Glasieren und Herausgeben, ein Stück, das im Ofen reißt, und die Plätze, die an einem Dienstagvormittag leer bleiben. Wer die Preise fürs Keramik bemalen kalkulieren will, fängt deshalb beim einzelnen Stück an, nicht bei der Preisliste nebenan.

Viele Malstudios übernehmen ihre Preise vom Großhändler: Einkaufspreis des Rohlings mal einem Faktor, fertig. Das geht gut, solange die Tische voll sind. Dieser Text rechnet den umgekehrten Weg: erst das Preismodell, dann die Kosten pro Stück, dann der Abgleich mit dem Markt.

Die Preismodelle im Malstudio

Vier Modelle sind verbreitet. Keines ist richtig oder falsch, aber jedes fängt andere Kosten ab und lässt andere liegen.

Pauschal pro Stück, alles inklusive. Der Preis am Rohling enthält Farbe, Glasur, Brand und den Platz am Tisch. Für Gäste ist das am einfachsten: Sie sehen im Regal, was ihr Stück kostet. Der Haken: Wer drei Stunden an einem kleinen Becher malt, sitzt genauso lange wie jemand mit einem großen Teller, zahlt aber weniger. Die Tischzeit muss deshalb im Stückpreis stecken, sonst verschenkst du sie.

Pauschal pro Person. Ein fester Preis für Platz, Farbe und ein Stück aus einer Auswahl. Das passt zu Abendterminen und Geschenkgutscheinen. Der Haken liegt in der Auswahl: Greifen alle zum großen Teller, stimmt deine Rechnung nicht mehr.

Rohling plus Malgebühr. Der Rohling hat seinen eigenen Preis, dazu kommt eine Gebühr pro Person für Platz, Farbe und Brand. So bezahlt jeder Gast die Tischzeit getrennt vom Material, und große Stücke tragen ihren Materialpreis selbst. Der Haken: Der Endpreis ist für Gäste schwerer zu überblicken.

Gruppen und Kindergeburtstage. Ein Preis pro Kind mit einem Rohling aus einer kleinen Auswahl, meist mit Mindest- und Höchstzahl. Das ist planbar, weil du die Gruppe vorher kennst. Der Haken ist die Betreuung: Zehn Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit als zehn Erwachsene, und das muss im Preis pro Kind stehen.

Dazu kommt bei manchen Studios das Malen zu Hause: Gäste kaufen den Rohling mit einem Nachlass, nehmen Farbe mit und bringen das Stück zum Glasieren und Brennen zurück. Den Tisch sparst du, den Brand nicht. Der Nachlass darf deshalb nur so groß sein wie die Tischzeit, die wegfällt.

Preise im Malstudio kalkulieren: die Kostenblöcke

Sechs Blöcke tragen jedes bemalte Stück. Drei davon stehen auf einer Rechnung, drei musst du selbst schätzen.

1. Der Rohling. Dein Einkaufspreis beim Großhändler, nach Größe gestaffelt, inklusive Versand und dem Anteil, der schon beim Auspacken kaputt ist.

2. Farbe und Transparentglasur. Unterglasurfarben und die Glasur, in die jedes Stück nach dem Bemalen getaucht wird. Rechne sie pro Stück nach Größe, nicht pauschal. Ein großer Teller braucht ein Vielfaches eines Bechers.

3. Der Glasurbrand. Bemalte Rohlinge sind meist schon geschrüht und brauchen nur noch einen Brand. Was der dich pro Kilo kostet, rechnet der Leitfaden Brennofen-Stromkosten berechnen durch, mit deinen eigenen Zahlen geht es im Brennkosten-Rechner.

4. Tisch und Betreuung. Miete, Nebenkosten und die Person, die erklärt, Farbe nachfüllt und abwischt, geteilt durch die Platzstunden, die dein Studio im Monat anbietet. Dazu die Arbeit pro Stück nach dem Malen: glasieren, Ofen beladen und ausräumen, sortieren, bei der Abholung heraussuchen.

5. Bruch. Ein Teil der Stücke reißt, platzt oder kommt mit Glasurfehlern aus dem Ofen. Ob du dann einen neuen Rohling anbietest oder Geld zurückgibst: Material und Brand sind in beiden Fällen weg. Ein kleiner Aufschlag auf diese Kosten fängt das ab.

6. Leere Plätze. Ein Studio mit zwölf Plätzen ist am Samstagnachmittag voll und am Mittwochmorgen fast leer. Die Miete läuft trotzdem. Wenn du die Tischzeit auf volle Auslastung rechnest, zahlen die vollen Tage die leeren nicht mit.

Rechenbeispiel mit drei Rohlingsgrößen

Ein Becher, eine Schale, ein Teller. Alle Zahlen sind ein Beispiel, setz deine eigenen ein. Die Beträge sind ohne Umsatzsteuer gerechnet.

Gemeinsame Annahmen:

  • Tisch und Betreuung: 4.500 € Monatskosten, 12 Plätze, 150 Öffnungsstunden. Das sind 1.800 Platzstunden, also 2,50 € pro Platzstunde bei vollem Studio. Bei 50 % Auslastung sind es 5,00 € pro Platzstunde.
  • Arbeit pro Stück: 10 Minuten für Glasieren, Ofen, Sortieren und Herausgeben, bei 30 € pro Stunde 5,00 €.
  • Glasurbrand: 3,15 € pro Kilo, wie im Beispiel des Stromkosten-Leitfadens.
  • Bruch: 5 % Aufschlag auf Rohling, Farbe und Brand.

Becher (Rohling 4,50 €, Farbe und Glasur 1,00 €, 0,35 kg, 1,5 Stunden am Tisch):

  • Material und Brand: 4,50 € + 1,00 € + 0,35 kg × 3,15 € = 6,60 €
  • mit 5 % Bruch: 6,93 €
  • plus Arbeit 5,00 € und Tisch 1,5 × 5,00 € = 7,50 €
  • Kosten pro Stück: 19,43 €

Schale (Rohling 6,00 €, Farbe und Glasur 1,50 €, 0,5 kg, 2 Stunden am Tisch):

  • Material und Brand: 6,00 € + 1,50 € + 0,5 kg × 3,15 € = 9,08 €
  • mit 5 % Bruch: 9,53 €
  • plus Arbeit 5,00 € und Tisch 2 × 5,00 € = 10,00 €
  • Kosten pro Stück: 24,53 €

Teller (Rohling 9,00 €, Farbe und Glasur 2,50 €, 0,9 kg, 2,5 Stunden am Tisch):

  • Material und Brand: 9,00 € + 2,50 € + 0,9 kg × 3,15 € = 14,34 €
  • mit 5 % Bruch: 15,05 €
  • plus Arbeit 5,00 € und Tisch 2,5 × 5,00 € = 12,50 €
  • Kosten pro Stück: 32,55 €

Mit 20 % Aufschlag für Gewinn und Rücklagen landest du bei 23,32 €, 29,43 € und 39,06 €. Daraus werden Preise wie 24 €, 29 € und 39 €.

Auffällig ist, wie wenig der Rohling am Ende ausmacht. Beim Becher sind es 4,50 € von 19,43 €. Der größte Block ist der Tisch, und der hängt an der Auslastung: Fällt sie von 50 % auf 40 %, kostet die Platzstunde 6,25 €, und derselbe Becher kostet dich 21,31 €. Wer seine Preise nur aus dem Einkaufspreis des Rohlings ableitet, sieht diesen Teil nicht.

Der Markt-Check

Erst nach der eigenen Rechnung lohnt der Blick nach draußen. Auf öffentlichen Preisseiten von Malstudios liegen die Pauschalpreise pro Stück grob zwischen 10 € und 50 €, je nach Größe, Becher und Tassen etwa bei 18 bis 25 €, jeweils mit Farbe, Glasur und Brand. Wo Malgebühr und Rohling getrennt sind, liegt die Gebühr zum Beispiel bei 15 CHF pro Person und Tag, Rohlinge kosten dort zwischen 4 und 90 CHF. Kindergeburtstage liegen bei 15 bis 19,50 € pro Kind mit einem Rohling, für Gruppen von mindestens sechs Kindern. Wer zu Hause malt, bekommt den Rohling mit etwa 20 % Nachlass und kauft die Farbe dazu.

Liegt deine Kalkulation deutlich unter diesen Preisen, hast du vermutlich die Tischzeit zu knapp angesetzt. Liegt sie deutlich darüber, lohnt ein Blick auf die Auslastung, bevor du am Preis drehst. Wie die gleiche Rechnung für Kurse an der Scheibe aussieht, steht im Beitrag Töpferkurs-Preis kalkulieren.

Regeln, die den Preis schützen

Ein Preis hält nur, wenn die Regeln drumherum klar sind. Vier gehören auf jede Preisseite.

Abholung. Sag, wann das Stück fertig ist, üblich sind ein bis zwei Wochen, und wie lange du es danach aufbewahrst, zum Beispiel zwei bis drei Wochen. Ein Regal voller fertiger Stücke ist Platz, den du für den nächsten Brand brauchst.

Nicht abgeholte Stücke. Leg fest, was nach der Frist passiert: eine Erinnerung, dann eine Lagergebühr oder die Entsorgung. Schreib das vorher hin, nicht erst, wenn das Regal voll ist.

Gruppen. Eine Mindestzahl, ab der die Gruppe ihren Preis trägt, eine Höchstzahl, ab der eine zweite Betreuung nötig ist, und ein Datum, bis zu dem sich die Zahl noch ändern darf.

Absage und Nichterscheinen. Ein reservierter Platz am Samstag ist ein Platz, den du jemand anderem nicht geben konntest. Eine kostenlose Absage bis zu einem festen Zeitpunkt und danach eine Gebühr ist fair für beide Seiten.

Wenn die Termine laufen

Die Kalkulation stimmt nur, wenn du weißt, wie voll die Tische tatsächlich waren und welche Stücke bemalt wurden. Mit der Kursverwaltung in WheelOwl legst du dafür einen Kurs mit Zeitfenstern an: Öffnungszeiten, buchbare Dauer, Startzeiten und wie viele Plätze gleichzeitig belegt sein dürfen. Rechnest du pro Stück ab, wählt jeder Gast beim QR-Check-in, welches Stück bemalt wurde. Das Stück speichert seinen Preis, und die Teilnehmerliste zählt Kurspreis und Stückpreise zusammen.

Eine Faustregel zum Schluss: Rechne die Tischzeit mit der Auslastung, die du an einem normalen Wochentag hast, nicht mit dem vollen Samstag.